Wahl des richtigen Anwalts

Wann sollten Sie einen Rechtsanwalt aufsuchen, und welchen Rechtsanwalt sollten Sie sich auswählen? Unser Rat: Suchen Sie einen Rechtsanwalt am besten sofort auf, wenn Sie ein rechtliches Problem haben, und wählen Sie Ihren Rechtsanwalt mit Bedacht aus.

1. Der schnelle »Rechtsrat«

Sicherlich gibt es schnellen »Rechtsrat« auch in den Medien oder über sogenannte Hotlines. Sie sind oftmals billiger als solide persönliche anwaltliche Beratung, und manchmal sogar hilfreich, aber eben nur manchmal. Oft gehen die Beratungen knapp am Fall vorbei, oder aber sie sind schlicht falsch, vor allem in Familien- und Erbsachen: Auf diesen Rechtsgebieten sind die jeweiligen Sachverhalte zumeist so komplex, daß sie dem beratenden Rechtsanwalt erst einmal in ihrer gesamten Tragweite aufgezeigt werden müssen, damit er seinen Mandanten gut und sachgerecht an seinem »Einzelfall« beraten kann.

Der rechtzeitige Gang zum Rechtsanwalt kann Geld sparen, denn der Rechtsanwalt kann besser als der betroffene Bürger absehen, welche juristischen Folgen eine Streitigkeit haben kann, und so frühzeitig vermeiden, daß seine Rechtssache durch falsche Weichenstellungen - etwa durch Briefe, die besser so nicht oder garnicht hätten geschrieben worden wären - in einen teuren Prozeß münden.


2. Die sorgfältige Wahl des Rechtsanwalts

Vom »blinden« Vertrauen in die unbegrenzten Fähigkeiten eines Rechtsanwalt ist dringend abzuraten: Der Mandant ist auch bei einem Rechtsanwalt vor falschem Rat und/oder Rechtsvertretung nicht unbedingt gefeit. Zunehmend häufen sich die Fälle, in denen Mandanten über die Arbeit ihres Rechtsanwalts - zumeist zu Recht - unzufrieden sind (wichtige Fristen werden versäumt, Informationen werden vergessen, nach der Vorschußzahlung verfliegt das Interesse am Fall, Mandanten werden ohne überzeugende Begründung in ein teures Gerichtsverfahren gedrängt, oder aber Beratungen sind schlichtweg falsch, fahren vor allem in Familiensachen den Mandanten wirtschaftlich an die Wand). Gravierende Fehler des oftmals mangels Spezialisierung überforderten Rechtsanwalts können für Mandanten in einer finanziellen Katastrophe enden, zumal Ansprüche der Mandanten gegen ihre Anwälte oftmals aus sachlichen, rechtlichen oder schlichtweg aus finanziellen Gründen nicht durchsetzbar sind. Es genügt nicht, daß ein Rechtsanwalt nur schlecht arbeitet; vielmehr kann er für eine fehler- bzw. mangelhafte Arbeit nur dann haftbar gemacht werden, wenn seinem Mandanten daraus nachweislich ein Vermögensschaden entstanden ist. Erfahrungsgemäß liegen die Hürden für einen erfolgreichen Schadenersatzprozeß gegen einen Rechtsanwalt sehr hoch: Der Anwaltshaftungsprozeß ist ähnlich kompliziert und kostspielig wie der Arzthaftungsprozeß.

Je besser der Rechtsanwalt in seinem Rechtsgebiet qualifiziert ist, um so sicherer kann sein Mandant davon ausgehen, daß er ihn in seinem Fall fehlerfrei, gut und umfassend beraten hat. In Anbetracht der Fülle der Rechtsgebiete (allein) des deutschen Rechts sollten Sie daher Ihren Rechtsanwalt nicht nach dem Zufallsprinzip auswählen, sondern in Ruhe nach dem geeigneten Experten Ausschau halten, insbesondere die Fachkenntnisse und die Qualifizierung der einzelnen Juristen kritisch unter die Lupe nehmen.